H-net, Clio-online

"Augusta Dimou hat sich entschieden, die hochabstrakte und teilweise dogmatisch geführte Debatte über die Vor- und Nachteile von Vergleich und Transfer als Forschungsansätze kurz und bündig zu besprechen. Konsequenter als in der bisherigen Literatur arbeitet Augusta Dimou heraus, dass das wichtigste Vorbild und der Ideengeber der Balkansozialisten ursprünglich der russische Populismus war und nicht westliche Parteien. Viel westliches sozialistisches Ideengut erreichte Bukarest, Belgrad oder Sofia sogar auf dem Umweg über Moskau, Odessa oder Tartu / Dorpat. Nicht weniger bedeutsam ist aber das Hervorheben des aus Russland importierten Selbstverständnisses des Intellektuellen als selbständigem sozialen und politischen Akteur, ein im Westen weitgehend unbekanntes Phänomen. Jeder der drei Fallstudien ist ein eigener Buchteil von recht unterschiedlicher Länge gewidmet: 100 Seiten für die serbischen Populisten, 200 Seiten für den interessantesten Fall, die bulgarischen Marxisten und wiederum 100 Seiten für die Griechen und den Bolschewismus. Wie eine erneute Lektüre der historiographischen Skizzen zu den Fallstudien zeigt, hat der von Dimou angewandte transnationale Ansatz großen Mehrwert – auch wenn sich vielleicht noch keine neue Synthese aufdrängt, so werden zumindest die alte Konfliktlinien, die noch stark von ideologischen Lagerkämpfen bestimmt waren, infrage gestellt und durch historisch informierte Forschungsfragen ersetzt. Insgesamt leistet Augusta Dimous Studie Pionierarbeit in einem Feld der transnationalen Forschung, das nicht nur für den Balkan, sondern für Europa insgesamt (mit Ausnahme der wichtigsten Vorbildländer) noch kaum exploriert wurde."
Reviewed book: 
Author: 
Augusta Dimou
ISBN: 
978-963-9776-38-8
cloth
$105.00 / €90.00 / £85.00
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